Biodiversität im Siedlungsraum

Neue Herausforderungen durch das veränderte Klima

Durch die Veränderung des heutigen Klimas sind nicht nur Wälder, Bergregionen und Gletscher betroffen. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen zunehmend auch städtische Gebiete vor neuen Herausforderungen, wie beispielsweise:

➢ Hohe Temperaturen und langanhaltende Hitzewellen in überbauten Arealen
➢ Starkniederschläge in den Sommermonaten: Flüsse, Bäche und Strassen können in kürzester Zeit überschwemmt werden.
➢ Bedrohung der lokalen Biodiversität in städtischen Gebieten: Naturnahe Zonen können sich nicht schnell genug an die neuen Bedingungen anpassen, was einen Verlust der Tier- und Pflanzenwelt nach sich ziehen kann.

Auch die Energiestadt Solothurn ist mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert. 2016 hat der Kanton seine Strategie im Umgang mit dem Klimawandel vorgestellt. Der dazugehörige Aktionsplan beinhaltet allgemein formulierte Anpassungsmassnahmen, auch zur Hitzebelastung in den Städten und Gemeinden. Die Stadtplanung kann den sogenannten Hitzeinseleffekt reduzieren, indem sie den Aussenraum klimaangepasst gestaltet. Angelehnt an den kantonalen Aktionsplan bemüht sich die Energiestadt Solothurn ein nachhaltiges Grün- und Freiflächenmanagement, fördert gezielt die städtische Biodiversität, pflegt den naturnahen Unterhalt der Parkanlagen sowie den Erhalt und die Aufwertung des stadteigenen Baumbestandes.

Biodiversität im Siedlungsraum Solothurn

Naherholungsgebiet Friedhof St. Katharinen
2020 erarbeitete die Energiestadt Solothurn ein Pflegekonzept, um den wertvollen und vielfältigen Natur- und Erholungsraum im Friedhof St. Katharinen zu erhalten. Ziel ist es, mit einer guten Durchmischung von Nadel- und Laubbäumen, mit naturnahen Magerwiesen, Hecken und blühenden Sträuchern die Biodiversität zu pflegen und zu fördern. Gleichzeitig wird der 200-jährige Friedhof als Naherholungsgebiet erhalten und aufgewertet.

Unterhaltskonzept und Renaturierung Brühlgraben
Der Brühlgraben ist ein kommunales schützenswertes Naturobjekt mit hohem ökologischem Wert. Verschiedene in der Natur-und Heimatschutzverordnung (NHV) gelistete Pflanzen und Tiere sind in dem Graben vorhanden. Für die Entwicklung des Gebiets «Weitblick» sind die Biodiversität und Vernetzung des Brühlgrabens von grosser Bedeutung, und dieser besitzt ausserdem eine wichtige Entwässerungsfunktion. Für die naturnahe Pflege und Bewirtschaftung erarbeitet das Stadtbauamt in Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt des Kanotons Solothurn ein Unterhaltskonzept.

Stadtklima
Häufigere und länger anhaltende Hitzeperioden führen dazu, dass gewisse herkömmliche Pflanzen, insbesondere auch Bäume, zu stark leiden. Ein Ansatz ist, anstelle von Monokulturen zu betreiben, unterschiedliche Pflanzenarten zu mischen. Zudem sind Freiräume mit Grünflächen, Schattenplätzen und frei zugänglichen, kühlenden Wasserelementen zu planen und gestalten. Sickerfähige Böden dienen der besseren Bewässerung der Pflanzen, zudem absorbieren sie die Hitze besser als harte Beläge. In den dichten Siedlungsgebieten, insbesondere auch in der Altstadt, bildet die Kaltluftzufuhr einen wesentlichen Aspekt gegen zu hohe Erhitzung. Daher dürfen die Kaltluftzuströme nicht mit hohen, dichten Neubebauungen blockiert werden.

Wer pflegt eigentlich unsere Solothurner Stadtgärten, Pärke und Grünanlagen?

Wir waren zu Besuch bei Patrick Schärer, Chef des Werkhofs Solothurn
Die Grün- und Freiflächen in und um Solothurn werden durch viel Engagement, umfassende und angepasste Pflegekonzepte und vorallem – wie nur sehr wenige wissen – völlig pestizidfrei von den Angestellten des Werkhofs Solothurn gepflegt.

«Unter differenziertem Einsatz und Bewirtschaftung fördern wir die Vielfalt unserer einheimischen Lebensräume»

Dieser Leitsatz prägt die Arbeit des Werkhofs. Damit wird die Biodiversität im Siedlungsraum erhalten und gleichzeitig gefördert. Besonders seltene und bedrohte Arten, die im Naturinventar Solothurn aufgeführt sind, werden in den Pflegekonzepten berücksichtigt. Beispielsweise keimt das vom Aussterben bedrohte Mäuseschwänzchen schweizweit ausschliesslich auf den Solothurner Wiesen, wo die HESO stattfindet. Durch die Festzelte leiden die Wiesen und sind daher während der Winterzeit nur karg bewachsen, was dem Mäuseschwänzchen offensichtlich sehr gefällt.